Dana Stölzgen

Photography

My Disguise

 

Um sich von außen, bzw. objektiv betrachten zu können, braucht man ein Gegenüber. Unsere Spiegel sind die Anderen – doch ist das Bild von uns, das wir ihnen vermitteln, in vielerlei Hinsicht manipulierbar und beeinflusst durch die jeweilige Beziehungskonstellation. Das ‚Verhüllen und Zeigen‘ hat eine lange Tradition – und es gehört zu den wesentlichen Charakteristika der abendländischen Kunst- und Kulturgeschichte. Bei diesem jahrhundertealten Wechselspiel geht es stets um Fragen zur Identität, um den Vergleich und die Spiegelung, gleichzeitig aber auch um Abgrenzung und den Schutz der Intimsphäre.

 

Unsere Körper spielen in diesem Zusammenhang eine – im wahrsten Sinne des Wortes – tragende Rolle: Wir können nicht aus unserer Haut, sie prägt unsere Erscheinung und das Bild, das man von uns hat; gleichzeitig ist sie unser „Behältnis“, sie schützt uns. Der französische Psychoanalytiker Didier Anzieu beispielsweise unterscheidet zwischen zwei Ich-Formen, dem „psychischen Ich“ und dem „Haut-Ich“. Deren Differenz würde man bereits im Kindesalter durch die Erfahrung der Körperoberfläche wahrnehmen.*

 

Diese Gedanken zur Erfahrung der Haut als Grenzfläche zur Außenwelt, als Hülle der psychischen Inhalte, als Projektionsfläche, scheinen in Dana Stölzgens Fotoserie „My Disguise“ verbildlicht. Ein loses Gedankenfragment begleitet die Bilder von weiblichen Körpern, verhüllt von hautfarbenen, transparenten Sommerkleidern, einem Gesicht, bedeckt von dunklem Haar, einer Hand, aus einem Berg von Decken und Kissen hervorlugend: „Bones…then skin…and through my disguise…someone is looking at me“. Für wessen Blick sind diese Bilder bestimmt? Wieviel offenbaren die Portraitierten?

 

Jasmin Shamsi

 

 

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